Wieso sich für mich "Coaching-Pakete" nicht bewährt haben

Im Sinne der "Planbarkeit" für beide Seiten habe ich einige Male ein "Coaching-Paket" mit 10 Sitzungen verkauft. Einmal, weil ich es ausprobieren wollte und einmal, weil es vom Kopf her ja irgendwie Sinn macht - vermeintlich.

 

Zum Sinn: Mein Kopf hätte in der Selbstständigkeit des öfteren gerne mal Kontrolle gehabt. Das Konzept "Planbarkeit" kam ihm entgegen.

 

Aber die Realität zeigte mir: ich bleibe lieber im Free Flow, ohne "Planbarkeit", aber dafür im vollen Vertrauen, dass ich genug zu tun haben werde (was sich bisher auch bestätigt hat, also kann sich mein Kopf auch gerne beruhigen😉).

 

Was mich störte an den Paketen:

 

1. Es erzeugte in machen Klienten (insbesondere den High Achievern) (Zeit-)Druck, in den 10 Sitzungen ganz viel zu erreichen.

Wenn wir aber ins Spüren und Auflösen kommen wollen, hilft uns dieser Druck nicht – im Gegenteil - er verhindert das Erreichen der tieferen Schichten, auf denen Lösung zu finden ist.

 

2. Klienten kamen oft mit langen Listen, was ihnen aufgefallen war in der Zwischenzeit, was den Fokus vom Eigentlichen weg rückte - man musste erst mal viele Bäume (=vom Kopf her gesehen vermeintlich relevante Themen, die aber im Kern wieder auf den roten Faden zurück führten) aus dem Weg räumen, bis man den Wald wieder sah.

 

3. Andere Klienten (die eher vermeidenden) lehnten sich in den ersten Sitzungen unbewusst zurück, weil sie ja noch so "viele" Sitzungen vor sich hatten, und erst in Stunde 9 oder 10 ließen sie sich auf das Tiefere ein, sprich da, wo es erst richtig los ging, war es schon zu Ende.

(Um ehrlich zu sein ist das manchmal im therapeutischen Setting, in dem ca. 100 Stunden zur Verfügung stehen, auch so - da kreist man manchmal WIRKLICH lange um den heißen Brei bis der Patient bereit ist, in die tieferen Schichten zu gehen!).

Das abrupte Ende war dann mit dem verspäteten Zugang zu den tieferen Schichten für beide nicht rund (da die"Lösung auf Wurzelebene" gerade erst begann).

 

4. Es nahm so manchem Coaching-Prozess den Flow. Das ist schwer in Worte zu fassen. Vielleicht passt am ehesten "es ist ein künstlicher Versuch, einen individuellen emotionalen Prozess (dessen Tiefe und Wucht man ja am Anfang noch gar sicher absehen kann) in einen bestimmten Zeitraum zu pressen." Vergleichbar mit "Ich gebe meinem Kind 12 Monate Zeit, um laufen zu lernen, aber keinen Tag länger!" 🤭

 

Hier ist es auch schön, mal keine Vorgaben zu haben – aus dem Kassensystem mit seinen engen Vorgaben kommend, empfinde ich die Freiheit des „Flows“ als sehr wohltuend – der Prozess darf dauern, so lange er eben benötigt, um abgeschlossen zu sein. Keine Deadline.

 

5. Wenn sich der Klient/die Klientin nicht innerlich voran bewegt, sich im Kreis dreht und die Interventionen auf der Oberfläche bleiben, es evtl. nur um Entlastung geht, möchte auch ich nicht verpflichtet sein, die 10 Stunden durchzuziehen. Ich möchte sagen können: "Tut mir leid, hier kommen wir nicht gemeinsam weiter."

Für mich darf der Coaching-Prozess für beide jederzeit frei bleiben.

 

6. Mir fehlte für Klienten der eigenverantwortliche Aspekt des reinspüren Dürfens dessen, was sie jetzt brauchen.

Es gibt sehr viel selbstermächtigende Kraft, bestimmen zu können, welche "Dosis" Coaching gut für einen ist.

Daher würde ich auf diesen positiven Nebeneffekt für meine Klient:innen ungern verzichten.

Es ist jede Session aufs Neue eine Entscheidung, sich selbst ernst zu nehmen und ein "ja" zu geben für "ich bin mir wichtig genug, um mir Hilfe zur Seite zu holen und in mein persönliches Wohlbefinden zu investieren".

Ebenso wie mir wichtig ist, dass der/die Klient:in selbst bestimmen kann, in welchem Abstand sie gerne ihre Sitzungen hätte – hierzu kann ich gerne aus meiner Erfahrung heraus beraten, jedoch möchte ich keine Vorgaben machen.

 

7. Den Erfahrung, dass ein Coaching mit offenem Ende "abhängig" macht, was viele Coaches behaupten, die lieber Pakete verkaufen, habe ich überhaupt nicht gemacht. Ziel ist immer, dass der Klient lernt, sich selbst ein guter innerer Kompass zu werden - und dafür gilt es, bestimmte unbewusste blockierende Muster zu erkennen und mit ihnen umgehen zu lernen.

Ob er nun in 6 Sitzungen damit alleine umgehen kann oder in 20 ist höchst individuell und darf aus meiner Sicht frei vom Klienten erspürt werden (und ich mir die Freiheit nehme, jemanden auch mal "aus dem Nest zu schubsen", wenn es ums reine Umsetzen geht 😉). In meiner Erfahrung spüren beide sehr klar, wann es Zeit ist, alleine zu fliegen.

 

8. Ich erarbeite mir lieber mein Geld als bereits erhaltenes Geld "abzuarbeiten". Persönlicher Gusto, schätze ich.

 

Es gibt sicherlich auch positive Aspekte der Coaching-Pakete für beide Seiten, wie ein gewisses Commitment, sich erst mal für überschaubare Zeit auf einen Prozess einzulassen - was für viele sicher ein guter Einstieg ist.

Auch gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist, wie z.B. wenn Geschäftsführer 5-10 Coachings für eine Führungskraft für ein bestimmtes Thema buchen - denn

 

a) ist es für den Geschäftsführer überschaubar, welche Kosten auf ihn zukommen und

b) kann man auch in 5-10 Sessions schon sehr viel erreichen, insbesondere wenn ein konkretes Thema/Problem bearbeitet werden soll.

 

Natürlich ist alles höchst individuell, manche Klient:innen haben bei mir auch in 10 vorab geplanten Sessions ganz viel für sich erreichen und auflösen können.

 

Um allerdings die besten Voraussetzungen zu haben für eine umfassende und tiefgreifende Veränderung auf unterschiedlichen Ebenen - mit klarer Ausrichtung inkl. Aufarbeitung und Integration alter unverarbeiteter Gefühle, empfehle ich jedem, Session für Session schauen zu dürfen, wo der Prozess hinführt.

Und diese Freiheit der Gestaltung sehe ich als großes Potenzial sowohl für den/die Klient:in, als auch für den Coach.

 

Fazit: Coaching-Pakete können sinnvoll sein, wenn die Zielsetzung konkret und überschaubar begrenzt ist (wie z.B. bei Firmen der Fall), es wäre aber im Allgemeinen nicht meine Go-To-Option in der Arbeit mit Privatpersonen.

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